Reitlehrerin FN - Pferdewirtschaftsmeisterin Hannelore Zimmer

Guter Unterricht hängt – neben geeigneten Pferden – ganz entscheidend von der Person des Reitlehrers ab. Respekt und Vertrauen sind die Basis für effektives Lernen.

Hier gibt es keinen Kommandoton. Dennoch ist der Unterricht eher streng und zielorientiert. Frau Zimmer weiß, was sie vermitteln will und warum. Entsprechend nachdrücklich gibt sie die Anweisungen.

Hannelore Zimmers Ausbildungsweg:

Den Beginn ihrer Ausbildung (Bereiterin FN) hat sie im bekannten Reitinstitut Egon von Neindorff in Karlsruhe absolviert, dem Zentrum der Klassischen Reiterei in Deutschland. Nach insgesamt acht Jahren Ausbildung und internationaler Tätigkeit in der Pferdeausbildung (z. B. in der dressurmäßigen Grundausbildung junger Polopferde in England) wurde Frau Hannelore Zimmer mit nur wenigen anderen Personen - als einzige Frau - für ein Stipendium bzgl. der Meisterkurse in Warendorf ausgewählt. Die Meisterprüfung endete mit dem Titel „Reitlehrer FN“, was der heutigen Bezeichnung „Pferdewirtschaftsmeister Reiten“ entspricht.

Wenngleich Frau Zimmer im Reitinstitut Egon von Neindorff ihre Ausbildung eindeutig dressurbetont begonnen hat, hat sie später Gefallen am Springen gefunden und ihr diesbezügliches Talent entdeckt. Sie nahm an Springprüfungen aller Art incl. Mächtigkeitsspringen und Geländeprüfungen teil und krönte ihre jahrelangen erfolgreichen Turnierteilnahmen mit dem Titel der Bayerische Vizemeisterin im Springen.

Auch in der Dressur stellte sie Pferde erfolgreich auf Turnieren vor. Ganz wesentlich ist dabei die Tatsache, dass sie die Pferde selbst ausgebildet hat. Die Ausbildung beim - 2004 verstorbenen - Reitmeister Egon von Neindorff, ihre Erfahrungen auf hunderten von Pferden, und der ihr eigene Perfektionismus, ihre Konsequenz und ihr unermüdlicher Arbeitswille bescherten ihr die Erfolge. "Sogar mit Gips bin ich geritten" erzählt sie lachend - "und die im Krankenhaus haben sich gewundert, dass ich alle paar Tage einen neuen Gips gebraucht habe!"

Seit Jahrzehnten ist sie nun auf dem Reiterhof Zimmer in Moosburg zu Hause. Neben der Leitung des damaligen Ausbildungs- und Turnierstalls sowie der Reitschule galt ihr Interesse immer schon der Ausbildung so genannter „schwieriger“ und „unreitbarer“ Pferde. Mit Geduld, Konsequenz und ihrem Können ist sie an keinem einzigen gescheitert, und hat so manch einem Pferd ein „zweites Leben“ geschenkt, denn die Alternative wäre nicht selten der Schlachthof gewesen. "Ich hatte keine Angst" sagt sie zu diesem Thema, "ich habe nie gedacht, dass mir etwas passieren könnte."

Frau Zimmer war desweiteren jahrzehntelang als Richterin auf Turnieren tätig. Von ihrem geschulten Blick profitieren die Schüler immer noch, wenngleich sie ihre Tätigkeit als Richterin 1996 an den Nagel gehängt hat. Die eigenen Pferde und die eigenen Schüler bekommen nun die ganze Aufmerksamkeit. Dem Turniersport fühlt Frau Zimmer sich nicht mehr verbunden. Zu oft hat sie erlebt, wie Erfolge auf Kosten der Pferde erritten wurden. 

Die aktuelle Situation:

Seit 1996 widmet Frau Zimmer sich ganz dem Tierschutz. Turniere werden auf ihrer Reitanlage nicht mehr veranstaltet. Sie betreut keine fremden Pferde mehr, sondern hat auf ihrem Hof nur noch eigene Pferde und Ponys. Die Anlage hat sie nach und nach mit einfachen Mitteln umgebaut, um ihre Pferde aus der veralteten Boxenhaltung zu "befreien". Zum Beispiel dienen die ehemaligen LKW-Garagen als geräumige Liegehalle, der Reitplatz wurde in die immer zugänglichen Ausläufe mit einbezogen, und der alte Schulstall dient nur noch dem einzelnen Füttern der Pferde, sowie der Pflege und dem Herrichten zum Reiten. Nur im Winter bleiben die Pferde über Nacht im Stall - aber nicht, weil es den Pferden draußen zu kalt wäre, sondern weil ... sonst im Stall die Wasserleitungen einfrieren würden. Manchmal stößt auch Frau Zimmer an ganz banale kleine Grenzen! Und ein Umbau würde viel Geld kosten...

Eigentlich wollte sie 1996 auch mit dem Unterrichten ganz aufhören, den Pferden zuliebe. Sie ließ sich dann doch überzeugen, weiterzumachen, denn: mit ihrem Wissen über Pferdehaltung, -ausbildung und ihrem guten Unterricht kann sie einen wertvollen Beitrag zum Tierschutz leisten: ihre Schülerinnen und Schüler zu einem verantwortungsvollen Umgang und einem korrekten, fairen Reitstil erziehen - wovon deren (zukünftige?) Pferde vielleicht ein Leben lang profitieren. Außerdem finanziert sich so die Pferdehaltung, und sie kann dem ein oder anderen zusätzlichen Pferd ein neues, gutes Zuhause geben.

Frau Zimmer setzt ihr Wissen engagiert ein für die Vermittlung der klassischen Reitweise in einer überaus korrekten, pferdefreundlichen Form. Kein Wunder, dass viele Schüler/innen längere Anfahrtswege auf sich nehmen, denn - eine Reitlehrerin wie Frau Zimmer wird man rundum nicht so leicht finden!

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